Historisches Merlau

 

 

Dass Merlau mit Sicherheit sehr alt ist, steht außer Zweifel, denn bereits 1894 wird in der Archäologischen Karte des Großherzogtums Hessen ein Steinkeilfund in der Gemarkung Merlau erwähnt. Im Jahre 1926 werden erneut 13 Einzelfunde von Steingeräten in der Gemarkung Merlau genannt im Rahmen vorgeschichtlicher Altertümer. Diese Funde wurden in die Jungsteinzeit datiert, also rund 2000 Jahre vor unserer Zeitrechnung. Das heißt, dass damals schon Menschen hier gelebt haben.

21. April 1197 – mit diesem Datum tritt der Name Merlau (Merla) allerdings zum ersten Mal in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Zu verdanken ist dies dem Ritter „Eberhard von Merlau“, denn ohne den Streit zwischen Eberhard und der Kirche in Mainz wäre die Urkunde, der dieses Datum zu entnehmen war, nicht zustande gekommen.
Die Familienmitglieder der Herren von Merlau waren sehr zahlreich und viele davon standen in hohem Ansehen. Dieses Geschlecht derer von Merlau erlosch in der männlichen Linie etwa im Jahre 1748.

Im Jahre 1567 erbt Landgraf Ludwig IV von seinem Vater, dem Landesherrn Philipp der Großmütige, das Land an der Lahn mit Marburg, Grünberg und Merlau und erbaut in den Jahren von 1583 bis 1591 ein Schloss, das ihm für Jagdzwecke diente. Im Jahre 1604 stirbt Landgraf Ludwig IV kinderlos und Merlau fällt jetzt an Hessen Darmstadt. In den Jahren 1792 bis 1799 kommt das Schloss in Verfall. Auf Befehl des Großherzogs Ludwig I wurde ab 1810 mit dem Abbruch desselben begonnen. Von den Steinen wurden in Merlau viele Kellergewölbe gebaut. Als in den Jahren 1853 bis 1857 die heutige Kirche erbaut wurde, kamen ebenfalls Steine der Schlossruine zur Verwendung. Heute sind nur noch wenige Spuren des Schlosses vorhanden. Das Doppelwappen im Eingangsbereich der Kirche und ein Teil der wieder entdeckten Grundmauern, sowie die heute unter Denkmalschutz stehende Seenbachbrücke, die einst die Verbindung zwischen dem Dorf und dem Schloss darstellte.

Über den Zeitpunkt der Erbauung der ersten Kirche in Merlau ist nichts bekannt. In einem Dokument des Klosters Wirberg von 1199 wird lediglich über einen Kirchhof in Merlau berichtet.
Die Herren von Eisenbach brannten das ganze Dorf Merlau mitsamt der Kirche im Jahre 1402 nieder. Erst 40 Jahre später war die Kirche wieder aufgebaut. Allerdings wurde diese wegen Baufälligkeit und Einsturzgefahr rund 250 Jahre nach ihrer Erbauung trotz vieler Reparaturen und Erneuerungen abgerissen.
Erst im Jahre 1853 wurde mit dem Bau der heutigen Kirche begonnen, deren Einweihung am 25.10.1857 stattfand.

Im Jahre 1628 wird zum ersten mal von einer Schule gesprochen. 1651 wird ein neues Schulhaus gebaut, welches bis etwa 1890 seiner Bestimmung diente. Wegen Baufälligkeit des Gebäudes wird 1897 eine neue Schule errichtet, die heute noch die Dorfmitte ziert. Allerdings wird im Jahre 1913 die ehemalige Scheune des Merlauer Hofgutes zur zweiten Schule umgebaut. Dort wird bis Ende 1968 unterrichtet. Mit diesem Zeitpunkt verliert die Volksschule Merlau ihre Eigenständigkeit und geht in die Gesamtschule Mücke über.

Einwohnerstatistik:
In einem Verzeichnis von 1570 werden die ersten 10 bürgerlichen Einwohnernamen von Merlau genannt. Aus einem Dorfbuch von 1589 gehen 10 Ackerleute sowie 11 Einläuftige (die mit dem Leibe dienen) hervor. Ein Kriegsschadensverzeichnis aus dem Jahre 1640 nennt 26 Einwohner, am Ende des 30jährigen Krieges im Jahr 1648 leben in Merlau 14 Männer und 30 Witwen. In 1770 sind es 92 und in 1834 bereits wieder 445 Einwohner, allerdings sinkt diese Zahl bedingt durch Auswanderungen zwischen den Jahren 1835 und 1870 wieder unter 400. Im Jahr 1900 sind es wieder 436 Einwohner und bei Kriegsbeginn in 1939 schließlich 706. Durch den Zuzug von Flüchtlingen und Vertriebene steigt die Zahl im Jahr 1946 auf 999 Einwohner, 1950 waren es 1.036 und in 1996 dann 1.248. Und heute, zum 31.12.2012 hatte Merlau stolze 1.108 Einwohner. 

Über Ursprung und Bedeutung des Namens Merlau gibt es mehrere Auslegungen, die diskutiert werden, wie z.B. Mer = groß,viel und Loh = Gebüsch, lichter Wald oder Merlauwe = Erlen, Au. Die Schreibweise ist in früheren Zeiten mehrfach geändert worden.: Merlowa, Mirlowa, Merlowe, Merlaw, Merlauwe, Merloh, Merla. Im Jahre 1555 wird erstmals „Merlau“ erwähnt.

Seit 1971 gehört Merlau zu der aus 12 Ortschaften gebildeten Großgemeinde Mücke im Vogelsbergkreis.