Rund um Merlau

Dorf Merlau

Unser Dorf hat eine lange Geschichte. Anhand von entsprechenden Funden geht man davon aus, dass bereits in der Jungsteinzeit Menschen hier gelebt haben, die sich als Bauern und Ackerleute nieder ließen. In der Merlauer Geschichte gab es ehemals eine Burg, später auch ein Schloss. Hier lebten Ritter, Adlige und Bürgerliche und das nicht immer in Eintracht. Die erste Kirche wurde bereits vor vielen hundert Jahren in Merlau gebaut. Feuer, Kriege und Krankheiten (z.B. die Pest) ließen die Menschen nie ganz zur Ruhe kommen und gestalteten das Leben im Dorf oft mehr als schwierig. Merlau, dessen Namen wahrscheinlich von feucht, sumpfig abgeleitet wurde, ist heute ein lebendiger Ort mit vielen Aktivitäten im Wandel der Zeit.


Merlauer Schloss  

Der hessische Landgraf Ludwig IV ließ in den Jahren 1583 bis 1591 ein prächtiges Wasserschloss in Merlau erbauen, das er als Jagdschloss nutzte. Schon gut 200 Jahre später erfolgte der Abbruch auf Befehl des Landgrafen Ludwig X, späterer Großherzog von Hessen, ein Nachkomme vom Bruder des Erbauers.

 

In der Hobstallstowwe konnte man im Jahr 2012 das Modell des Schlosses von Hugo Schneider (später restauriert von Reinhold Kirsch) besichtigen. Die maßstabsgetreue Verkleinerung des ehemaligen Gebäudes, das der Sage nach „so viele Fenster als Tage im Jahr sind“ gehabt haben soll, ist in der Form zuletzt im Jahre 1997 zur Besichtigung bei der 800-Jahr-Feier möglich gewesen.  


Merlauer Seenbachbrücke  

Die Seenbachbrücke wurde im Jahre 1599 erbaut und war ursprünglich die Verbindung zwischen dem Merlauer Schloss und dem Dorf. Heute steht die Brücke unter Denkmalschutz.


Bei starken Regenfällen oder nach einer Schneeschmelze kam es schon vor, dass die Brücke überflutet war und nur noch knapp aus dem Wasser ragte.



Wappen im Kirchenportal


Das Doppelwappen, welches sich im Eingangsbereich der Merlauer Kirche befindet, gehörte ursprünglich zum Schloss. Es teilt sich in zwei Hälften, wobei die linke Seite das Hessische und die rechte Seite das Württembergische Wappen darstellt, was sich auf den Erbauer des Schlosses, den Hessischen Landgrafen Ludwig IV und seine erste Gemahlin, Herzogin Hedwig von Württemberg, bezieht.
Nach dem Abriss des Schlosses wurden dessen Steine unter anderem auch zum Bau der evangelischen Kirche in den Jahren 1853 bis 1857 verwendet. Daher wurde das Wappen, das einst das Schloss zierte, in das Mauerwerk des Kirchenportals eingelassen.  


Grundmauern des Merlauer Schlosses

 

Auf dem Grundstück in der Schlossgasse Nr. 11 sieht man heute einen kleinen Teil freigelegte Grundmauern des ehemaligen Merlauer Schlosses. Diese wurden aufgrund eines Grundrissplanes aus dem Jahre 1772 in 1982 von dem Besitzer durch Zufall entdeckt. Das Schloss wurde von 1583 bis 1591 erbaut und kam ab 1796 in Verfall. Der endgültige Abriss wurde im Jahre 1810 begonnen.

 

Die Steine des Merlauer Schlosses wurden auch zum Bau der evangelischen Kirche in den Jahren 1853 bis 1857 verwendet.


Burg Merlau

In Merlau gab es einst vor vielen hundert Jahren eine Burg, die den Herren von Merlau gehört haben soll. Wo diese wirklich gestanden hat, ist umstritten. Es ist möglich, dass auf dem Merlauer Kirchhügel eben diese Turmburg gestanden hat, da man Burgen üblicherweise auf eine Anhöhe baute. Über die Zeit der Erbauung der Burg ist nichts bekannt. Sie wurde erstmals 1279 erwähnt. Über ihr Aussehen und das Verschwinden gibt es ebenfalls keine Aufzeichnungen. 1489 wurde die Burg nochmals in alten Unterlagen erwähnt. Überreste der Burg sind nicht mehr vorhanden. Heute erinnert nur noch der Straßenname „Burgstraße“ an den vermutlichen Standort.  


Die „Alte Burg“

Die sogenannte „Alte Burg“ stand dort, wo sich heute die Stallung von Werner Erdmann und die Scheune von Siegfried Lang befindet. Das Anwesen gehörte den Herren von Merlau und hatte eine Größe von etwa 1 Morgen (rd. 2.500 qm). Es handelte sich bei den Gebäuden ( Wohnung, Scheune, Stallungen) um Fachwerkbauten, keine Steinbauten. Nach dem Absterben der Herren von Merlau wurde die „Alte Burg“ gegen Erbleihzins verpachtet, bis Johann Thomas Kratz das Gut im Jahr 1857 käuflich erwarb.


Vor dem Tor

Dies ist die Flurbezeichnung am Ende der Burgstrasse, nicht Richtung Friedhof, sondern gerade aus. Ob das alte Merlau einst mit einer Palisade oder von einer Mauer umgeben war, lässt sich heute nicht mehr feststellen. Da die Herren von Merlau aber gerade in der oberen Burgstrasse mehrere Anwesen hatten, wäre es durchaus denkbar, dass sich dort einst ein Tor befand. Es lässt sich daher nur erahnen, dass dort der Weg zum Dorf hinaus in Richtung Nieder-Ohmen verlief.


Das Pfarrhaus
Die erste Nachricht über ein Pfarrhaus in Merlau finden wir in einem alten Register von 1482. Im Jahre 1634 wurde ein altes Haus gekauft und nach Merlau versetzt, welches man als Pfarrhaus nutzte. 1748 wurde der Zustand des Pfarrhauses als sehr übel bezeichnet und daher einige Jahre später abgebrochen. Während der Amtszeit von Pfarrer Ludwig Cappe von 1760 bis 1768 entstand das jetzige Pfarrhaus, es wurde am 27. August 1765 aufgeschlagen. Das alte Haus verkaufte man für 236 Gulden nach Ulrichstein. Im Jahre 2000 wurde das jetzige (noch Pfarrhaus) einer gründlichen Außenrenovierung unterzogen.  


Die Kirche

Die jetzige Kirche ist bereits die dritte Kirche in Merlau. Die davor wurde wegen Baufälligkeit im Jahr 1789 abgerissen. Die heutige Kirche wurde in den Jahren 1853 bis 1857 erbaut. Am 18. September 1853 erfolgte die Grundsteinlegung. In den Jahren 1789 bis 1853 wurde der Gottesdienst in der Merlauer Schlosskirche und später in der Kanzlei abgehalten. Als Baumaterial für die Kirche verwendete man die noch brauchbaren Steine vom abgebrochenen Merlauer Schloss, die blauen Steine Basaltsteine waren aus dem Flensunger Kopf und die Hausteine am Portal der Kirche kamen aus den Steinbrüchen bei Londorf und Nordeck. Am 25.10.1857 war die feierliche Einweihung der neue Kirche.


Vorgängerkirche der heutigen

 

Zu welcher Zeit genau diese vormalige hiesige Merlauer Pfarrkirche gebaut wurde, kann heute nicht mehr festgestellt werden, sie muss jedoch im Jahre 1441 schon vorhanden gewesen sein, was eine Urkunde belegt, in der der damalige Pfarrer Heinrich Aldindorf alle umliegenden Pastoren, Pfarrer und jegliche Inhaber eines geistlichen Amtes um mildtätige Spenden für die verbrannte und verwüstete Kirche in Merlau bittet. Sie stand an der selben Stelle, an welcher auch die heutige Kirche steht. Ein Brand im Jahre 1618 führte zu weiterem großen Schaden an dieser Kirche. Im Jahre 1789 wurde sie wegen Baufälligkeit abgebrochen. Damit diente sie etwa 250 Jahre lang ihrer Bestimmung. Danach wurde der Gottesdienst in der Merlauer Schlosskirche, danach im Schulhaus und später in dem an das Schloss angrenzenden Kanzleigebäude gehalten. Erst in 1853 erfolgte die Grundsteinlegung für das heutige Gotteshau


Der Wetterhahn auf der Kirchturmspitze

 

Der Wetterhahn wurde bereits im Jahre 1856 (beim Neubau der Kirche) angebracht. Er wurde als Kunstguss von Johann Buderus und Söhne auf der Friedrichshütte bei Ruppertsburg hergestellt. Wetterhähne findet man noch heute auf sehr vielen Kirchen. Grund ist wohl die Bibelstelle, in der Jesus in der Nacht, in der er verraten ward, nach dem Abendmahl dem Apostel Petrus prophezeite: “Ehe der Hahn krähen wird, wirst du mich dreimal verleugnen“. Als der Hahn krähte, erinnerte sich Petrus an diese Prophezeiung, schämte sich sehr und verkündete dann bis zu seinem Märtyrertod den neuen Glauben. Der Hahn was also eine Mahnung, sich nicht nach dem Wind zu drehen, sondern (wie Petrus in seinem weiteren Leben) dem christlichen Glauben treu zu folgen.


Kirchentreppe
Als die heutige Kirche in der Zeit von 1853 bis 1857 erbaut wurde, gab es noch keine Treppe, sondern nur einen ansteigenden Weg, der bis zur Kirche führte. Als im Jahre 1879 eine Dachrinne an der Kirche angebracht wurde und das Wasser durch eine Rohrleitung Richtung Schulhof, an dem damaligen Backhaus vorbei, in die Gosse der Dorfstraße führte, wurde auch die heute noch vorhandene Außentreppe angefertigt, deren Sanierung in nächster Zeit ansteht.


Kirchenmauer

Die Mauer links und rechts der Kirchentreppe wurde um das Jahr 1879 errichtet. Am Anfang war oben auf der Mauer ein Lattenzaun, den der Schreiner Christoph Friedrich anfertigte. Als dann im Jahr 1902 der Schmiedemeister Heinrich Stein in Merlau seine Schmiedewerkstatt eröffnete, brachte sein Sohn, Schmiedemeister Friedrich Stein, auf der Mauer ein Eisengitter an, welches im Jahre 2013 entfernt wurde. Teile davon sind heute noch vorhanden und in der Merlauer Hobstallstowwe zu besichtigen. Im Jahre 1963 war die Mauer in der Mitte ausgebrochen und wurde erstmals in 1965 durch die Firma Karl Böcher renoviert. Im Jahre 2013/2014 erfolgte der Abbruch. Sie wurde von Grund auf erneuert und erstrahlt daher heute in neuem Glanz.


Grabstein in der evangelischen Kirche

Der in der Merlauer Kirche aufgestellte Grabstein stammt einst vom Friedhof, der früher um die Kirche war und erst später außerhalb des Dorfes angelegt wurde.

Der Stein, dessen Rückseite viele Jahre als Gehwehplatte diente und zufällig bei Erneuerungsarbeiten dieses Fußweges entdeckt und erkannt wurde, fand schließlich seinen endgültigen Platz in der Kirche, seitlich neben der Kanzel. Dieser Gedenkstein zierte einst das Grab eines Familienvaters von 8 Kindern.  


Die Gedenktafel im Kirchenportal


Als nach dem Ausbruch des ersten Weltkrieges 1914 die ersten Gefallenen in Merlau zu beklagen waren, wurden in der Kirche Lorbeerkränze mit den Namen der Gefallenen angebracht. Nach dem Ende des Krieges 1918 wurde durch Pfarrer Siebeck eine Spendensammlung ins Leben gerufen, um mit dem Geld eine Ehrentafel mit den Namen der Gefallenen und Vermissen anzufertigen. Diese Tafel hängt heute rechts im Eingang der Kirche.


Ehemaliger Stall zum Pfarrgebäude

Zu dem Pfarrhaus gehörten einst auch Nebengebäude und zwar eine Scheuer sowie ein Stall. Dieser Stall, der in 1882 abbrannte und wieder aufgebaut wurde, beherbergte Pferde, Ochsen, Schweine und Kühe. Er stand zwischen dem Pfarrhaus und dem heutigen Ev. Gemeindehaus. Später, im Jahre 1905, wurde auf den Stall ein Konfirmandensaal gebaut. Im Jahre 1934 erfolgte allerdings der Abriss des Gebäudes, möglicherweise wegen Baufälligkeit.


Anna-Weidig-Haus

Anna Weidig wurde am 16.05.1878 in Giessen geboren. Ihre Kindheit verbrachte sie in Darmstadt. Nach dem frühen Tod der Eltern kam Anna Weidig nach Merlau in die Herrnmühle zu ihrer Tante. Gemeinsam mit Pfarrer Ernst Siebeck gründete sie im Jahre 1915 die Frauenhilfe in Merlau. Sie war Klavierlehrerin und ab dem Jahre 1935 bis zu ihrem Tode Organistin in der Kirche zu Merlau. In ihrem Testament bedachte sie die Kirchengemeinde mit einem Geldbetrag. Dieses Geld war der Grundstock für den Bau des Anna-Weidig-Hauses im Jahre 1969, Zu verdanken ist der Bau dieses Hauses der Tatkraft von Pfarrer Werner Kalbhenn+. Im Jahr 2002 wurde das Haus einer gründlichen Renovierung unterzogen und heißt heute Evangelisches Gemeindehaus.


 

 

      

Die Friedhöfe  


In alter Zeit befand sich der Friedhof um die Kirche. Davon zeugt noch der alte Grabstein in der Kirche, der sich zuvor ringsum derselben befand. Der jetzige alte Friedhof wurde im Jahre 1816 angelegt. Ursache dafür war wohl die Erkenntnis von Krankheiten durch verunreinigtes Wasser, denn die Kirche mit dem Friedhof lag auf der Anhöhe und der Dorfbrunnen befand sich in der Tallage. Somit konnte Leichengift in das Trinkwasser eindringen und Krankheit und Tod verbreiten. Deshalb befahl die Obrigkeit, die Friedhöfe außerhalb der Ortschaften anzulegen. Der jetzige Friedhof, der noch weiter vom Dorf abliegt, wurde im Jahr 1968 angelegt.

 


Ehrenmal

Das Ehrenmal am Ortsausgang Merlaus, Richtung Nieder-Ohmen wurde in 1927 eingeweiht und war ursprünglich eine Gedächtnisstätte für die Gefallenen des 1. Weltkrieges. Allerdings erfolgte in 1954 die Erweiterung durch zwei seitliche Flügel mit all den Namen der treuen jungen Männer, die ihr Leben im 2. Weltkrieg lassen mussten oder vermisst wurden.

Dieses Heldenmal diente den Hinterbliebenen zum Trost und steht auch heute noch zur Mahnung für die Lebenden sowie der Kommenden.


Eiche am neuen Friedhof

Die Eiche am neuen Friedhof nennt sich die Friedenseiche. Auch in den anderen Dörfern der Gemeinde Mücke findet man solche Eichen. Gepflanzt wurde sie vom Kriegerverein Merlau im Jahr 1913.

 

Der Anlass zu dieser Pflanzung war die Erinnerung an die Völkerschlacht bei Leipzig 1813, also damals vor einhundert Jahren. Inzwischen hat der Baum stattliche Ausmaße angenommen und man kann in seinem Schatten auf einer Bank herrlich ausruhen.


Mutterkreuz


Im Burgwald, von Merlau kommend Richtung Kirschgarten fahrend, findet man auf dem Waldweg, der in der scharfen Linkskurve der Fahrbahn nach rechts abgeht, das Mutterkreuz.

Dort angekommen, zählt man 6 Wege, die an diesem Punkt zusammentreffen, dreht man sich einmal um die eigene Achse.  


Eichbörnchen

 

Im Burgwald gibt es zwei Quellen. Die eine ist das Eichbörnchen (ziemlich oben im Wald) und die andere liegt direkt im Teich, der sich am Anfang des Waldes rechts befindet. Das Eichbörnchen, das mit einem Betonrohr eingefasst ist, fließt in einem Graben durch den ganzen Burgwald bis in den Teich. In früheren Zeiten haben die beiden Quellen den Brunnen im Merlauer Schloss mit Wasser versorgt.

 
Heute kann man dort auf einer Ruhebank pausieren und unbesorgt von dem kühlen Nass trinken.


Wallaufwürfe im Burgwald


Im Burgwald befinden sich noch Reste von ca. 20 Wallaufwürfen, die im Spätsommer 1944 von der deutschen Wehrmacht angelegt wurden. Sie dienten als Schutz für ein Benzin- und Öllager.

 

Bei Kriegsende in 1945 wurden die Restbestände von den Bewohnern der umliegenden Dörfern sichergestellt. Man erzählte sich: Die in dem Öl gebackenen Pfannkuchen hätten einen ganz eigenartigen Geschmack gehabt.


Pumpstation Burgwald

Im Jahr 1956 gründete sich das Gruppenwasserwerk Mücke, um die umliegenden Ortschaften mit gutem Wasser zu versorgen. Dazu wurde im Burgwald ein Tiefbrunnen gebohrt mit einer Tiefe von 60 Metern. Der Wasserstand liegt bei 5 Meter. Gleichzeitig wurde auch das Pumpenhaus erbaut. Von dort wird das qualitativ einwandfreie Wasser zum Hochbehälter am Hohenrod (oberhalb von Kirschgarten) gepumpt und gelangt dann von dort in die einzelnen Dörfer. Die Umgebung der Pumpstation wurde zum Wasserschutzgebiet erklärt.

 

 

 

 

Der neue Brunnen Merlau II, am Burgwald „In der Kümmelwiese“ gelegen, ist seit Oktober 2012 in Betrieb und hat eine Tiefe von 100 m (im Vergleich dazu hat der alte Brunnen nur 60 m). Vom Ankauf des Brunnens über den Bau des Gebäudes, der Verlegung der Rohre und der Ausstattung mit der Technik betrugen die Gesamtbaukosten ca. 600.000 €.


Von diesem Brunnen, der an den Hochbehälter Hohenrod angeschlossen ist, werden die Ortsteile Nieder-Ohmen, Merlau, Flensungen, Ilsdorf, Bernsfeld, Wettsaasen und Stockhausen versorgt. Die Wasserqualität des Brunnens ist sehr gut und vom Härtegrad der Stufe "weich" zuzuordnen. Der alte Brunnen, der noch im Parallelbetrieb läuft, dient der Notversorgung.

 


Jugendzentrum

Als die Strecke der Oberhessischen Eisenbahn am 29.07.1870 zwischen Grünberg und Alsfeld eröffnet wurde, war das heutige Jugendzentrum zuvor das erste Bahnhofsgebäude.

 

Nach dem Neubau des gegenüberliegenden Bahnhofs in 1890 , war in dem alten Gebäude ein Bahnwärter untergebracht. 1907 wurde das Häuschen für Wohnzwecke umgebaut. Später befand sich dort ein Jugendzentrum.

 

Im Mai 2013 wurde es abgerissen.


Bahnhof


Im Jahr 1870 wurde die Eisenbahnstrecke zwischen Grünberg und Alsfeld eröffnet. Der heutige Bahnhof Mücke wurde allerdings erst 1890 erbaut. Er hatte im Jahr 1915 durch mehrere An- und Umbauten seine größte Ausdehnung erreicht. Da das Gebäude auf der Flensunger Gemarkung lag, der Zugang allerdings auf der Merlauer Seite war, konnte man sich zuerst auf einen Namen nicht einigen und nahm dann später in Anlehnung an die Gastwirtschaft Mücke den gleichen Namen an.
 


Fußgängerbrücke über die Gleise

Als im Jahre 1890 der neue Bahnhof auf der Flensunger Seite erbaut wurde, gab es ein Problem für die Merlauer. Wie kamen sie auf die andere Seite? Nach mündlicher Überlieferung gingen sie auf einem Fußweg, der zwischen dem Seenbach und dem Gleis entlang führte, zum Bahnhof. Das ging aber nur bis zum Jahre 1903, denn als in diesem Jahr die Strecke Mücke – Laubach eröffnet wurde, musste der Fußweg weichen. Im selben Jahr wurde dann die erste Fußgängerbrücke über die Gleise gebaut. Im Jahr 2007 wurde sie abgerissen und durch eine neue Brücke ersetzt.

 

Laderampe am Bahnhof

Als Ende der 50-er Jahre die letzten Eisensteinlagerstätten erschlossen wurden, entstand auch die oben erwähnte Laderampe. Das Erz, welches man in der Gemarkung Nieder-Ohmen förderte, wurde in dem Waschbau (heute Firma Holzart) gewaschen und dann mit LKW's zur Laderampe in Mücke transportiert und dort direkt über diese Rampe in die Eisenbahnwaggons zum weiteren Transport gekippt.  


Stellwerk Nord des Bahnhofs Mücke
Der Bahnhof Mücke hatte zwei Stellwerke, wovon eines südlich und eines nördlich davon lag. Sie wurden 1905 erbaut. Da beide mit einem Türmchen versehen und mit weißen Klinkern verblendet waren, galten sie damals als eine Zierde des Baustils. Auf jedem Stellwerk war ein Weichenwärter, der die Weichen und Signale bedienen musste. Leider fielen beide Gebäude der Spitzhacke zum Opfer. Noch heute sieht man vom Wege neben dem Seenbach aus auf der Höhe des Edeka-Marktes die restlichen weißen Klinker des Stellwerkes Nord zwischen den Bäumen schimmern.


Gemeindeverwaltung

Der heutige Verwaltungssitz der Großgemeinde Mücke war bis zum Jahre 1972 das Verwaltungsgebäude der Gewerkschaft Louise für Eisenerzabbau. Erbaut wurde das Gebäude 1937, nachdem die Gewerkschaft ihren Verwaltungssitz in Weickartshain aufgegeben hatte. Die Kosten beliefen sich auf 49.530 Reichsmark. Während der Amtszeit von Bürgermeister Dieter Böck wurde das Gebäude erweitert und umgebaut.


Herrnmühle
Die ehemalige Vorwerksmühle (später Herrnmühle) entstand bereits während des Merlauer Schlossbaus in den Jahren 1583 – 1591. Die Mühle hatte gebannte Mahlgäste, das heißt die Dörfer Merlau, Flensungen, Ilsdorf, Stockhausen, Weickartshain, Lehnheim und Stangenrod mussten ihr Getreide in Merlau mahlen lassen. Den heute noch stehenden Bau der Herrnmühle erbauten die Verlobten Emilie Ottilie Damm und Philipp Heister im Jahre 1899. Als Moritz Döhler das Anwesen durch Kauf im Jahre 1904 erworben hatte, richtete er dort eine Weberei ein.


Schmiede

 

Die alte Dorfschmiede wurde von Heinrich Stein im Jahre 1902 erbaut, nachdem er das dazugehörige Wohnhaus im gleichen Jahr gekauft hatte.

 

Das Schmiedehandwerk wurde dort über drei Generationen ausgeübt und etwa Mitte der 70-er Jahre eingestellt, da dieses Handwerk durch die Aufgabe vieler Landwirtschaftsbetriebe und durch die aufkommende Motorisierung an Bedeutung verlor.


Brunnen

Der Brunnen, der sich einst in der Ortsmitte des alten Dorfkerns von Merlau befand, wurde bereits zu Beginn des 19 .Jahrhundert angelegt. Man bediente sich des Wassers, indem man einen Eimer per Seil mit Rollbetrieb hinab ließ und das Wasser heraufzog. Im Jahre 1958 wurde der Brunnen verfüllt, nachdem sich eine Merlauer Einwohnerin in diesen hinein gestürzt hatte.


Bei dem vor dem Brunnen liegenden Stein handelt es sich um den Türsturz des alten Backhauses. Die Inschrift ist leider fast vollständig verwittert.


Das Tiefgefrier-/Schlachthaus
 
Das Tiefgefrierhaus steht heute an der Stelle, an welcher bis ins Jahre 1963 das Gemeindebackhaus stand. Einst wurde das Backhaus im Jahre 1827 unter dem damaligen Bürgermeister Johann Georg Sartorius erbaut und diente vielen Merlauern zum Brot- und Kuchenbacken. Als einziger Zeuge ist noch der Sandstein zu sehen, der sich über der Eingangstür des Backhauses als Türsturz befand und heute vor dem alten Dorfbrunnen liegt. Leider ist die Inschrift nicht mehr zu erkennen. Neben dem Gefrierhaus befindet sich noch die alte Gemeindeviehwaage, auf der alles Vieh gewogen wurde, bevor man es schlachtete oder verkaufte. Der vordere Raum wird auch heute noch gelegenhlich zum Schlachten genutzt, allerdings sind die Zeiten von Hausschlachtungen vorüber.


Viehwaage

 

Die erste Viehwaage in der Gemeinde Merlau gab es seit 1890. Ihr Standort war im Anbau des alten Backhauses, welches 1962 abgerissen wurde. Die jetzige (Nachfolge-) Waage, die seit den 1970-er Jahren außer Betrieb ist, findet man im Anbau des heutigen Gefrierhauses. Vor allem beim Wiegen der Schweine gab es oft großes Gequietsche, bis diese auf der Waage waren und sorgte dadurch für manchen Menschenauflauf. Nicht selten versuchten die Schweine durch Flucht diesem Ritual zu entkommen.


Alte Dorfschule

Die Grundsteinlegung dieses Gebäudes erfolgte am 08.08.1896 an der Stelle, wo bereits ein zuvor wegen Baufälligkeit abgebrochenes Schulhaus stand.
Am 26.09.1897 wurde das neue Schulhaus eingeweiht, dessen Baukosten sich damals auf 21.000 Mark beliefen. Die Fahne, die extra für diese Einweihungsfeier angefertigt wurde, wird heute noch in der Hobstallstowwe aufbewahrt und ist eine absolute Rarität.


Der Gemeindewasen

An der heutigen Stelle des Schießsportzentrums befand sich früher der Gemeindewasen. Hier wurde, bevor es eine Tierbeseitigungsanstalt gab, das verendete Vieh der Bauern vergraben. Zuständig für diese Arbeit war der Wasenmeister, der im Dienst der Gemeinde stand. Als in den Jahren 1991/92 die Kanalisation in Merlau erweitert wurde, kamen bei den Baggerarbeiten in diesem Bereich noch viele Knochen zum Vorschein.


Furtwiese

Die Furtwiese ist eine Flurbezeichnung in der Gemarkung Merlau. Sie ist darauf zurückzuführen, dass früher der Weg nach Kirschgarten durch die Merlauer Furt (was soviel wie Durchgang durch einen Fluss bedeutet) direkt durch den Seenbach über den Ölberg führte. Dazu stelle man sich die Verlängerung des Weges zwischen dem heutigen Haus Richard Engel und dem von Diethelm Tröller vor. Dieser Weg wurde bis 1871 benutzt. Danach war dies durch die Eröffnung der Eisenbahnlinie nicht mehr möglich. Die Schloßgasse, die man heute benutzt, um nach Kirschgarten zu kommen, endete früher direkt im Merlauer Schloss.


Zettlteich

Der heutige Zettlteich, früher einer der drei Rupsrodsteiche, die es schon zu Schlosszeiten aufgrund der damalig mit hohem Stellenwert betriebenen Teichwirtschaft und Fischzucht gab, liegt etwas außerhalb von Merlau. Er wurde von dem Merlauer, Erich Zettl, Mitte der 60-er Jahre neu gestaltet und verfügt über eigene kleine Quellen. Ansonsten wird er von Oberwasser gespeist.

Der Zettlteich ist ganzjährig ein beliebtes Ausflugsziel für Angler und Spaziergänger und im Winter bei Frosttemperaturen auch für die Schlittschuhläufer.


Linnesteich Damm

Die heute noch zu sehenden Überbleibsel des damaligen Dammes lösten bereits im Jahre 1568 heftigen Streit zwischen den Herren von Merlau und den Antonitern zu Grünberg aus. Dabei ging es um die Wasserrechte der Quelle oberhalb des Abtsteiches, die auf Merlauer Gemarkung lag und den Abtsteich mit Wasser versorgte, der wiederum auf Lehnheimer Gemarkung lag. Die Herren von Merlau wollten allerdings den Linnesteich, der keine eigene Quelle hatte, ebenfalls mit Wasser versorgen. Dafür wurde der Damm angelegt, dessen Reste man heute noch gegenüber des Abtsteiches sehen kann. Der Streit hierüber dauerte 30 Jahre, bis er friedlich beigelegt wurde.


Schiedslinde

Die Schiedslinde im Lindes, die heute nur noch ein trauriger Rest eines ehemaligen mächtigen Baumes darstellt, hat eine lange Geschichte. Am 03. Juli 1491 sandte der Landgraf zu Hessen eine Einladung an den Präceptor (Klostervorsteher) des Hauses St. Antoni zu Grünberg und an die Herren von Merlau. Dabei ging es um einen Streit der beiden Parteien wegen einer Waldgrenze im Lindes. Das Treffen fand am 19.07.1491 statt und der Streit konnte wohl gütlich beigelegt werden. In Verbindung mit diesem Treffen wurde möglicherweise die Schiedslinde gepflanzt.


Betonklötze an der Atzenhainer Straße

An der Atzenhainer Straße befinden sich links und rechts der Straße, dort wo die Lindenbäume anfangen, zwei Betonklötze. Sie sind das Überbleibsel einer Brücke, die dort in der Zeit von 1936 bis 1968 über die Straße führte. Die Brücke diente als Schutz vor herunterfallenden Erzbrocken der ehemaligen Seilbahn, die das Brauneisensteinerz von der Grube in Merlau nach Mücke transportierte.


Die Stangen an der Rückwand
des Feuerwehrgerätehauses


Diese Stangen, mit ihren verschiedenen Haken, kamen früher bei der Pflichtfeuerwehr zum Einsatz. Wenn es einst brannte, besonders bei Scheunen, die mit Stroh und Heu gefüllt waren, wurden sie benutzt, um die Stroh- und Heuvorräte auseinanderzuziehen.

 

Bei den Scheunen, aber auch manchmal bei den Häusern, die vollständig niedergebrannt waren, wurde mit diesen Stangen das verkohlte Gebälk eingerissen.

Domanialhof/Hofstall Merlau

Das Hofgut (ehemals ein herrschaftliches landwirtschaftliches Anwesen), wie es sich heute noch zeigt, wurde einst in vier Etappen erbaut. Das Wohnhaus mit einer Scheuer war als erstes schon weit vor dem Jahre 1850 vorhanden. Die Erbauung der gewölbten Viehställe auf der linken Seite begann etwa um 1850, eine anspruchsvolle und nicht ganz billige Architektur, die meist den herrschaftlichen Anwesen vorbehalten blieb. Etwa im Jahre 1859 kam dann die rechte Seite mit Stallung, Brennhaus, Branntweinkeller und die Hofeinfahrt mit Holzremise und Backhaus dazu. Vollendet wurde das Anwesen durch die Entstehung eines Jungviehstalles und einer neuen Scheuer (heutiges DGH) im Jahre 1891. Somit hatte das Hofgut seine endgültige Bauform erreicht und steht heute unter Denkmalschutz. Die rechte Seite ging ca. 1930 in Privatbesitz über. Die linke Seite beherbergt heute die Feuerwehr, das Rote Kreuz und die Hobstallstowwe.

Dorfgemeinschaftshaus

Die neue Scheuer des Domanialhofes, die 1891 erbaut wurde, baute man im Jahre 1913 zur zweiten Merlauer Schule um, da das seitherige Schulgebäude neben der Kirche für die große Anzahl der Schulkinder nicht mehr ausreichte. Dieses nun zur Schule umgestaltete Gebäude diente seiner Bestimmung bis etwa im Jahre 1968. Daneben fand in den Räumlichkeiten auch für einige Jahre ein Kindergartenbetrieb statt. Aber auch die Bürgermeisterei war in der Zeit von 1945 bis 1961 in zwei Nebenräumen beheimatet. Im Jahre 1981 begannen die Umbauarbeiten zu einem Dorfgemeinschaftshaus, das am 03.09.1983 eingeweiht wurde und seither rege von vielen Bürgern für Feierlichkeiten oder auch von Vereinen genutzt wird.  

Froschgässchen

In der Zeit des Jahres 1898 befand sich in dem Bereich der heutigen Anwesen von Gerd Schneider, Susanne Schätzle und dem Evangelischen Gemeindehaus ein Teich, in dem sich auch Frösche tummelten. Das Gässchen, das daneben verlief und den Einwohnern vom Unterdorf den Zugang zur Heegstrasse und damit auch später ( etwa
im Jahre 1929 ) zur Bäckerei Triebert ermöglichte, erhielt dadurch seinen Namen, an dem bis heute festgehalten wird, das Froschgässchen.

Kirchen-/ Hellwigsgässchen

Das Kirchengässchen, das auch den älteren Einwohnern noch unter der Bezeichnung „Hellwigsgässchen“ bekannt ist, diente den Einwohnern aus der Heegstrasse zum einen als Zugang zum Dorfbrunnen und zum
Kolonialwarengeschäft Schneider (Zimmersch) als auch zur Gastwirtschaft Hörle. Der Name stammt aus der Zeit des Jahres 1884 und rührt von dem Vorbesitzer des Hauses Erich Hohl ( am Beginn des Gässchens von der Heegstrasse her), der Christian Hellwig hieß.